Ein Sportler in schwarzer Funktionskleidung rennt im Sprint vor einer hellen Betonwand. Rechts daneben steht der große schwarze Schriftzug: „Warum du auf HIIT verzichten solltest“.

Wenn du fit sein möchtest, musst du trainieren. So weit, so logisch. Die gängige Meinung: Du brauchst beides – Cardio für das Herz und Gewichte für die Muskeln. Doch in einer Welt voller Termine und Verpflichtungen stellt sich die Frage: Woher die Zeit nehmen?

Hier betritt die Optimierungs-Industrie die Bühne und präsentiert dir die vermeintliche Wunderwaffe: HIIT. Hochintensives Intervalltraining. Das Versprechen klingt verlockend: Minimale Zeit, maximale Effektivität, alles natürlich mit handverlesenen Studien ‚bewiesen‘.

Manche Methoden versprechen sogar, die Gesetze der Biologie zu biegen: Muskelaufbau und Fettverbrennung gleichzeitig, garniert mit einem magischen Nachbrenneffekt, der die Pfunde im Schlaf schmelzen lässt.

Ist HIIT also die vernünftige Antwort auf den Stress unseres modernen Lebens? Oder ist es nur ein weiterer Brandstifter in einem ohnehin schon überhitzten Alltag? Bevor du dich in den nächsten Sprint stürzt: Atme tief durch. Wir schauen uns die Fakten jenseits des Hypes an.

Die Versprechen hinter HIIT: Zeitersparnis und Effizienz

Intervalltraining an sich ist kein neues Konzept, doch Ende der 1990er Jahre änderte sich die Wahrnehmung radikal. Ausgelöst durch die Studien von Professor Izumi Tabata, der japanische Eisschnellläufer untersuchte, wurde eine hochspezialisierte Methode für Spitzenathleten plötzlich zur allgemeinen Standardempfehlung für jedermann.

In den Folgejahren drang HIIT immer weiter in den Mainstream vor und wurde schließlich als die neue „Wunderwaffe“ der Fitnesswelt deklariert. Die kurzen, intensiven Einheiten sollten eine universelle Abkürzung darstellen: Wer keine Zeit für langes Training hat, schraubt einfach die Intensität nach oben. Für den modernen Menschen, der sich oft im ständigen Kampf gegen die Uhr befindet, klang das fast zu gut, um wahr zu sein.

Die Industrie verspricht dir bis heute, dass HIIT die Lösung für fast jedes Problem ist:

  • Der Stoffwechsel-Turbo: Dank des Nachbrenneffekts (EPOC) sollst du noch Stunden nach der Qual Kalorien verbrennen, während du eigentlich schon längst wieder entspannt auf der Couch liegst.
  • Muskel-Bodyguard: Im Gegensatz zum klassischen Ausdauertraining, das angeblich deine Muskeln „auffrisst“, soll HIIT deine hart erarbeitete Masse schützen.
  • Die Abkürzung zur Allround-Fitness: Kraft und Ausdauer – beides in nur 20 Minuten – das perfekte Paket für den Terminkalender.

Doch ein stoischer Athlet bleibt skeptisch, wenn etwas als „Wunderwaffe“ angepriesen wird. In der Stoa ist die Besonnenheit eine der vier Kardinaltugenden. Sie lehrt uns, das rechte Maß zu finden und uns nicht von der Gier nach schnellen Resultaten blenden zu lassen. Bevor wir also blindlings den nächsten Sprint starten, sollten wir prüfen, ob diese Versprechen der Vernunft standhalten oder ob wir hier nur einem geschickten Marketing-Mythos aufsitzen.

Die Prüfung der Abkürzung „Nichts ist so sehr zu vermeiden wie die Nachahmung derer, die vor uns gegangen sind, ohne den Weg zu prüfen.“ – Seneca

Die Fitness-Welt liebt schnelle Erfolge und maximale Effizienz. Doch nur weil eine Methode als „wissenschaftlich belegt“ deklariert wird, bedeutet das nicht, dass sie für deine spezifische Lebensrealität die vernünftigste Wahl ist. Ein stoischer Geist übt sich darin, den Lärm vom Kern zu trennen. Wählst du dein Training wirklich aus einer geprüften Überzeugung?

Was ist HIIT wirklich? Die Verwässerung eines Begriffs

Eine Gruppe von Menschen trainiert schweißgebadet und erschöpft in einem dunklen, industriellen Fitnessstudio. Im Vordergrund machen eine Frau und ein Mann intensive Liegestütze, während an der Wand ein großer digitaler Timer „MAX INTENSITY“ anzeigt.

Bevor wir über Nutzen oder Schaden urteilen können, müssen wir Klarheit schaffen. Doch genau hier liegt das Problem: „HIIT“ ist heute zu einer wertlosen Worthülse verkommen.

Ursprünglich war HIIT ein sehr spezifisches Werkzeug aus dem Ausdauersport. Die Idee: Lange, monotone Joggingläufe durch kurze, maximale Belastungsspitzen ersetzen. Mittlerweile fungiert der Begriff jedoch als bequemes „Code-Wort“ für alles, was irgendwie anstrengend ist. Ob es ein Zirkeltraining mit dem eigenen Körpergewicht im Wohnzimmer ist (wie bei den Bestsellerautoren Mark Lauren oder Joe Wicks) oder ein echter Sprint an der Leistungsgrenze – die Industrie wirft alles in denselben Topf, weil sich das Label „intensiv“ besser verkauft.

Anstrengend ist nicht gleich hochintensiv

Wir müssen hier eine klare Grenze ziehen. In der Sportwissenschaft ist „hochintensiv“ kein Gefühl, sondern ein messbarer Zustand. Er definiert sich über die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max) und den Maximalpuls.

Echtes HIIT findet in einer Zone statt, die weit über „ziemlich anstrengend“ hinausgeht. Es ist ein Zustand, in dem dein Körper an seine absoluten Grenzen stößt. Doch genau hier liegt der Denkfehler vieler Programme:

  • Die Marketing-Definition: Du schwitzt, bist außer Puste und fühlst dich ausgepowert. Das ist „anstrengendes Training“, aber kein HIIT.
  • Die wissenschaftliche Realität: Du arbeitest bei 90–95 % deiner maximalen Herzfrequenz. Das ist eine Belastung, die dein Nervensystem massiv fordert.

Ein stoischer Athlet strebt nach der Wahrheit hinter den Dingen (Katalepsis). Wenn wir jedes Zirkeltraining als HIIT bezeichnen, lügen wir uns in die eigene Tasche. Schlimmer noch: Wir riskieren unsere Gesundheit. Denn an seine absoluten Grenzen zu gehen, ist ein Werkzeug, das man mit Bedacht einsetzen sollte – und sicher nicht drei- oder viermal pro Woche, während man gleichzeitig versucht, einen fordernden Alltag zu meistern.

Nenne die Dinge beim Namen „Der Anfang der Weisheit ist die Definition der Begriffe.“ – Sokrates

Lass dich nicht von Modewörtern blenden. Nur weil ein Training anstrengend ist, ist es nicht automatisch „hochintensiv“. Ein stoischer Athlet strebt nach Klarheit, nicht nach Trends. Wenn du den Unterschied zwischen bloßer Erschöpfung und gezielter Hochbelastung verstehst, gewinnst du die Herrschaft über dein Training zurück und lässt dich von Marketing-Worthülsen nicht locken. Frage dich ehrlich: Ist es die Intensität, die dich voranbringt, oder nur der Wunsch, dich ausgepowert zu fühlen?

HIIT und Fettverbrennung: Warum der Nachbrenneffekt eine Illusion ist

Das wohl größte Verkaufsargument für HIIT ist der sogenannte Nachbrenneffekt. In der Sportphysiologie sprechen wir von der „excess postexercise oxygen consumption“ (EPOC). Die Logik dahinter: Weil du dich völlig verausgabst, benötigt dein Körper nach dem Training vermehrt Sauerstoff zur Regeneration, was den Energieverbrauch steigert. Du verbrennst also Kalorien, während du längst wieder am Schreibtisch sitzt. Hört sich nach dem perfekten „Hack“ an, oder?

Die Realität ist ernüchternd: In der Fitness-Industrie wird dieser Effekt maßlos überzogen dargestellt. Studien werden oft aus dem Kontext gerissen, um „Evidence-Based Training“ zu verkaufen, das den Praxistest nicht besteht. Je nach Studie verbrennst du durch EPOC zwischen 0 und maximal 100 kcal zusätzlich. Zur Einordnung: Das ist etwa ein Drittel Snickers – dafür hast du dich aber völlig verausgabt.

Das stoische Gesamtbild

Ein stoischer Athlet betrachtet nie nur einen isolierten Faktor, sondern das gesamte System. Wenn dich ein HIIT-Workout so zerstört, dass du den Rest des Tages nur noch erschöpft auf der Couch liegst, sinkt deine NEAT (alltägliche Bewegung außerhalb des Sports) drastisch. Am Ende des Tages hast du durch die Erschöpfung vermutlich weniger Kalorien verbraucht als mit einem moderaten Training.

Zudem ist Fettabbau primär das Resultat einer unterkalorischen Ernährung. Ein Defizit bedeutet für deinen Körper bereits Stress. Willst du ihn wirklich noch weiter quälen, indem du zusätzlich hochintensiv trainierst? Wer ohne Besonnenheit (Sophrosyne) handelt und seinen Körper ständig in den roten Bereich treibt, wird langfristig nicht mit Fitness, sondern mit Erschöpfung und Motivationsverlust bezahlt.

Die Falle der isolierten Fakten „Wir müssen uns nicht nur fragen, ob etwas wahr ist, sondern auch, ob es für uns nützlich ist.“ – In Anlehnung an Marc Aurel

Wissenschaftliche Daten sind wertvoll, aber sie sind kein Dogma. Wenn ein Training theoretisch 100 Kalorien mehr verbrennt, dich aber praktisch für den Rest des Tages – deinen Job, deine Familie, deine Ruhe – untauglich macht, ist es kein guter Handel.

Warum HIIT den Muskelaufbau oft sabotiert: Das Märchen vom Sprinterkörper

Oft wird HIIT damit beworben, dass es die Muskeln vor dem „Schrumpfen“ bewahrt – im Gegensatz zum angeblich muskelfressenden Ausdauertraining. Als „Beweis“ dient meist der Vergleich zwischen dem massiven Sprinter und dem hageren Marathonläufer. Die Logik: Trainiere explosiv wie ein Sprinter, dann siehst du auch so aus.

Das ist ein klassischer Denkfehler. Was du im Leistungssport siehst, ist Selektion, nicht allein das Resultat des Trainings. Ein Basketballer wird nicht 2,10 Meter groß, weil er Körbe wirft – er spielt Basketball, weil er groß ist. Sprinter haben oft eine genetische Veranlagung für viel Muskelmasse.

Physiologischer Stress statt anaboler Ruhe

Wenn wir das SAID-Prinzip (Specific Adaptation to Imposed Demands) betrachten, passt sich der Körper zwar an Belastungen an, aber er benötigt dafür die richtigen Ressourcen. Und hier wird HIIT für den Muskelaufbau oft zum Problem:

  1. Glykogen-Raubbau: Bei hoher Intensität verbrennt dein Körper primär Kohlenhydrate. Regelmäßiges HIIT leert deine Glykogenspeicher massiv. Volle Speicher sind jedoch ein Signal für ein anaboles (muskelaufbauendes) Umfeld.
  2. Regenerations-Stau: Muskeln wachsen in der Stille, nicht im Sturm des Trainings. Wenn dein Alltag dich ohnehin schon fordert, ist extremes HIIT oft der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Durch die ständig erhöhten Cortisolwerte schaffst du ein kataboles Milieu, das genau die Regeneration im Keim erstickt, die für echten Fortschritt zwingend nötig wäre.

Anstatt also zu versuchen, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, solltest du dich fragen, was dein eigentliches Ziel ist. Wenn du Muskeln aufbauen willst, brauchst du kein hektisches Zirkeltraining, bei dem du außer Puste gerätst. Du brauchst gezielte Reize und die stoische Geduld, deinem Körper die nötige Zeit zur Erholung zu geben.

HIIT als Stressfaktor: Die Illusion der unendlichen Belastbarkeit

Ein sichtlich gestresster Mann im grauen Anzug mit gelockerter Krawatte steht verloren in einem modernen Fitnessstudio. Er hält in der einen Hand eine schwere Aktentasche und macht mit der anderen Hand einen Hantel-Curl, während er erschöpft ins Leere blickt.

HIIT ist kein bloßer Trainingsreiz; es ist ein physiologischer Alarmzustand. Es fordert nicht nur deine Muskeln, sondern setzt dein gesamtes zentrales Nervensystem unter massiven Druck. Um dieses „Vollgas“ zu kompensieren, benötigt dein Organismus eine enorme Erholungskapazität.

Hier liegt der fundamentale Denkfehler vieler moderner Trainingsprogramme: Sie ignorieren den Kontext deines Lebens. Ein Profisportler kann seinen gesamten Tag um die Regeneration herum bauen – Schlaf, Ernährung und Ruhephasen sind dort Teil des Jobs.

Der volle Becher

Als Freizeitsportler sieht deine Realität anders aus. Job-Deadlines, familiäre Verpflichtungen und der alltägliche Lärm sorgen dafür, dass dein „Stress-Becher“ oft schon vor dem Training fast bis zum Rand gefüllt ist. Wenn du nun regelmäßig hochintensiven Trainingsstress oben drauf gießt, riskierst du, dass das System überläuft.

Langfristig wehrt sich die Natur gegen diesen Unverstand. Wenn du die Lust am Training verlierst oder dich vor der nächsten Einheit regelrecht graust, ist das kein Mangel an Charakter. Es ist die stoische Klugheit deines Körpers, ein Selbstschutzmechanismus, der dich vor dem Ausbrennen bewahrt. „Viel hilft viel“ ist kein Erfolgsrezept, sondern ein Mangel an Besonnenheit. Wer die Signale seines Körpers ignoriert, handelt unvernünftig.

Die Falle der Labor-Wahrheit

Sportwissenschaftlich betrachtet ist HIIT hocheffektiv – unter einer Bedingung: Kontrolle. Für Profisportler, deren gesamter Alltag auf Training und maximale Regeneration ausgerichtet ist, ist es ein präzises Werkzeug zur Leistungssteigerung.

Doch Wissenschaft im Labor isoliert oft Variablen, die in deinem Leben untrennbar verbunden sind. Ein Stoiker betrachtet das Ganze. Die Fitness-Industrie neigt dazu, isolierte wissenschaftliche Daten aus ihrem Kontext zu reißen und sie als allgemeingültige Marketing-Versprechen auf den Freizeitsport zu übertragen – ohne die völlig andere Lebensrealität der Betroffenen zu berücksichtigen. Nur weil ein Werkzeug unter Idealbedingungen funktioniert, ist es in einer völlig anderen Lebensrealität nicht automatisch die vernünftige Wahl. Kontext ist alles.

Exkurs: Der stoische Realitäts-Check

Bevor du glaubst, eine Ausnahme von der Regel machen zu müssen, prüfe deine heutige Realität. HIIT erfordert eine perfekte Ausgangslage. Wie sieht es bei dir aktuell aus?

  • Regeneration: Hast du heute Nacht weniger als 7 Stunden geschlafen oder war dein Schlaf unruhig?
  • Mentale Last: War dein Arbeitstag bereits von hohen Anforderungen, Konflikten oder Termindruck geprägt?
  • Antriebsprüfung: Drängt dich dein Ego zum HIIT (ungeduldige Abkürzung), oder ist es eine kühle, vernünftige Entscheidung?
Das Ergebnis der Vernunft:
Solltest du auch nur einen dieser Punkte mit „Ja“ beantworten, bestätigt das die zentrale These: Dein System ist bereits ausgelastet. Ein Verzicht auf HIIT ist in diesem Fall kein Mangel an Willenskraft, sondern die logische Konsequenz deiner Besonnenheit. Dein Körper braucht heute kein zusätzliches Feuer, sondern Raum für Erholung.

Die Vernunft als Maßstab: Was du statt HIIT machen solltest

Eine Frau joggt gelassen auf einem breiten Naturpfad durch einen Pinienwald. Im Hintergrund ragen majestätische Berge im sanften Licht des Sonnenaufgangs auf. Sie wirkt fokussiert und ruhig, im Gegensatz zur hektischen Studio-Atmosphäre.

HIIT-Workouts haben oft eine verheerende Kosten-Nutzen-Rechnung. Für einen minimalen (und oft fragwürdigen) Zeitvorteil zahlst du einen hohen Preis an Stress und Erschöpfung. Warum also halten so viele an dieser Methode fest? Weil in unseren Köpfen das Vorurteil festsitzt, dass nur „hartes Training“ echte Resultate bringt.

Doch das ist ein Trugschluss. Nur weil du am Ende einer Einheit nicht in einer Pfütze deines eigenen Schweißes liegst, bedeutet das nicht, dass dein Training sinnlos war. Im Gegenteil: Ein besonnener Athlet trainiert so, dass er stärker aus der Einheit hervorgeht, als er hineingegangen ist – anstatt sich völlig zu verausgaben.

Deine Alternativen für ein starkes Fundament:

  • Aerobes Cardio (Die 80%-Regel): Wenn es um deine Ausdauer geht, trainiere lieber mit einer leicht erhöhten Herzfrequenz. Bleibe dauerhaft unter 80 % deines Maximalpulses. In diesem aeroben Bereich baust du eine solide Basis auf, ohne dein Nervensystem zu überlasten. Ich persönlich bevorzuge Slow Jogging oder ausgedehnte Spaziergänge an der frischen Luft. Auch beim Seilspringen oder beim Training mit der Kettlebell achte ich strikt darauf, in einer vernünftigen Belastungszone zu bleiben.
  • Besonnenes Krafttraining: Für den Muskelaufbau brauchst du kein Zirkeltraining, bei dem du völlig außer Atem von einer Station zur nächsten hetzt. Das ist für das Ziel Muskelwachstum sogar kontraproduktiv. Konzentriere dich stattdessen auf die Qualität jeder einzelnen Wiederholung. Dein Training muss nicht lange dauern: Wenn du zu Hause mit dem eigenen Körpergewicht arbeitest, reichen oft schon 15 bis 20 Minuten tägliche, fokussierte Bewegung aus.

Wahre Fitness ist kein Sprint, sondern ein lebenslanger Prozess. Wer das rechte Maß (Metron) findet, bleibt dran, während die Anhänger des „maximalen Drills“ längst wegen Verletzungen oder Burnout aufgegeben haben.

Fazit: Das rechte Maß finden

HIIT ist kein Allheilmittel, sondern ein hochspezialisiertes Werkzeug. Wie jedes scharfe Messer kann es in den Händen eines Profis unter kontrollierten Bedingungen Nutzen stiften – doch in einem ohnehin schon stressigen Alltag wird es oft zum Brandbeschleuniger für Erschöpfung und hormonelles Chaos.

Ein stoischer Athlet lässt sich nicht von den lauten Versprechen der „maximalen Effizienz“ blenden. Er strebt nach Besonnenheit und der Ökonomie seiner Kräfte. Die Entscheidung, die Belastung zu wählen, die langfristig zu einem starken Körper und einem ruhigen Geist führt, ist ein Zeichen von Weisheit. Erschöpfung ist kein Beweis für Fortschritt; Beständigkeit ist es.

Besonnenheit statt blinder Härte „Alles, was über das Maß hinausgeht, ist schädlich.“ – Seneca

Lass dich nicht vom Kult der Qual korrumpieren. Dein Training sollte dein Leben bereichern, nicht dein Nervensystem ruinieren. Ein stoischer Weg zum Erfolg erfordert den Mut, auf den unnötigen Sprint zu verzichten, wenn die Vernunft nach Erholung ruft. Wer das rechte Maß in der Belastung findet, gewinnt die Freiheit, beständig zu wachsen.

Vertiefe deine stoische Praxis

Wenn du verstanden hast, dass „härter“ nicht automatisch „besser“ bedeutet, ist es an der Zeit, dein Verständnis von Training und Beständigkeit zu schärfen. Diese Artikel helfen dir dabei, den Pfad der Vernunft weiterzugehen:

Meik - Stoic-Fitness Experte
Über Meik

Meik ist zertifizierter Fitness- und Personaltrainer sowie Ernährungsberater und blickt auf über 30 Jahre Trainingserfahrung zurück. Als Philosoph nutzt er die Lehren der Stoa, um Menschen zu einem starken Körper und einem ruhigen Geist zu verhelfen – ohne Dogmen und Zwang. Mehr über den stoischen Weg erfahren.

11 Thoughts on “Warum du als Freizeitsportler auf HIIT verzichten solltest”

  • Bei allem Respekt – als Sportwissenschaftler muss ich sagen, dass einige hier aufgezählte Punkte so nicht richtig sind.

    Korrekt ist sicherlich, dass ein HIIT- Workout enormen Stress für den Körper bedeutet und daher nicht zu häufig absolviert werden sollte.

    Falsch bzw. zumindest nur die halbe Wahrheit ist dagegen, dass bei niedrigen Intensitäten mehr Fett abgebaut wird.
    In relativen Zahlen stimmt dies tatsächlich – prozentual wird mehr Fett statt Kohlenhydrate zur Energiegewinnung genutzt.
    In absoluten Zahlen wird bei höheren Intensitäten jedoch mehr Fett abgebaut.
    Prozentual werden zwar mehr Kohlenhydrate als Fett genutzt, durch den insgesamt höheren Energieverbauch wird aber mehr Fett abgebaut als bei niedrigen Intensitäten.

    Der Autor wirft anderen Leuten vor, Studien falsch zu interpretieren – an diesem Beispiel sieht man jedoch, dass er selbst das gleiche Problem hat. Ziemlich unseriös…

    Letztlich gibt es genügend Studien, die zeigen, dass HIIT- Training im Rahmen eines ganzheitlichen Trainingsprogramms (z.B. in Kombination mit klassischem Cardio- und Kraft- Training) einen signifikant positiven Effekt auf Fettabbau, Muskelaufbau und die Steigerung der allgemeinen Fitness hat.

  • Hallo Yannick!

    Vielen lieben Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Dann versucht sich der „unseriöse Autor“ mal zu verteidigen 😉

    Wenn ich das richtig sehe, geht es in der Stelle im Artikel, die du kritisierst, nicht primär um die Fettverbrennung, sondern darum, dass ein HIIT-Workout zu einem allmählich sinkenden Glykogenspeicher beitragen kann. Das hast du ein wenig aus dem Zusammenhang gerissen, denn es geht überhaupt nicht darum, ob in relativen oder absoluten Zahlen mehr oder weniger Fett verbrannt wird. Und das intensive Trainingsbelastungen den Glykogenspeicher schneller leeren, ist ein alter Hut. Hier ist zum Beispiel eine Studie von 1971 (!), die dies schon besagt:
    http://www.researchgate.net/publication/18886386_Selective_glycogen_depletion_pattern_in_human_muscle_fibres_after_exercise_of_varying_intensity_and_at_varying_pedalling_rates

    Und hier eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2019: https://digitalcommons.wku.edu/ijesab/vol2/iss11/10/

    Du sagst ja selbst, dass (richtiges!) HIIT den Körper enorm unter Stress setzt und damit hast du vollkommen recht. Daher empfehle ich weiterhin für Freizeitsportler, die etwas fitter werden, Muskeln aufbauen und Fett abbauen wollen (und insbesondere Anfänger!) kein HIIT. Studien sind immer eine Seite der Medaille – die andere ist die Lebensrealität. Und die meisten von uns brauchen nicht noch mehr Stress im Leben, sondern weniger.

    Schöne Grüße

    Meik

  • Moin Meik!

    Danke für deine Antwort!

    Selbstverständlich ist HIIT für blutige (Sport-) Anfänger nicht zu empfehlen.
    Etwa im Krafttraining gilt ja aber auch, dass Anfänger nicht gleich mit maximaler Intensität (= Gewicht und Wiederholungszahl) trainieren sollten, selbiges gilt im Cardiobereich.
    Es gilt immer, sich langsam heranzutasten! Hier hast du also grundsätzlich Recht.
    Ist aber bereits eine gewisse Grundfitness erreich, kann HIIT wie bereits erwähnt im Rahmen eines ganzheitlichen Trainingsprogramms sinnvoll sein (d.h. aber nicht, dass es zwingend erforderlich ist).

    Ich empfehle dir jedoch, körperlichen Stress und psychischen Stress zu unterscheiden.
    Sicherlich kann (hochintensiver) Sport einige Menschen in der Gesamtheit stressen.
    Die „Lebensrealität“ zeigt aber auch, dass es viele Menschen gibt, die sich gerade nach einem sehr anstrengenden Training – auch HIIT – sehr entspannt fühlen und es eine Art „Stressabbau“ (bezogen auf die Psyche) ist.
    So z.B. bei mir persönlich sowie bei vielen Menschen, mit denen ich oder Kollegen zusammenarbeiten.

    Es gibt hier also kein klares richtig und falsch.
    Man muss immer das Gesamtbild betrachten und inviduell analysieren, welche Trainingsmethoden für den jeweiligen Sportler sinnvoll sind – dies gilt im Breitensport genauso wie im Leistungssport.

    Hier pauschal allen Menschen von HIIT abzuraten und u.a. zu behaupten, man (= jeder Mensch) fühle sich danach (mental) gestresst, ist daher – so meine Meinung, die sicherlich viele Kollegen vertreten – leider falsch und nicht zielführend.

  • Hi Yannick,

    danke für dein Kommentar! Stoic-Fitness richtet sich an Freizeitsportler. Und HIIT geht an den Maximalpuls. Und das – womöglich noch mehrmals wöchentlich – Freizeitsportlern zu empfehlen, halte ich für problematisch. Wir sind ja nicht alle 23jährige Sportstudenten, sondern auch 45jährige alleinerziehende Mütter mit Job. Schaue dich mal in der Bahn oder im Schwimmbad um. Wie vielen Leuten würdest du als Sportwissenschaftler wirklich zu HIIT raten? Wahrscheinlich nur sehr wenigen.

    Ich stimme dir vollkommen zu, dass man die Sache immer individuell analysieren muss. Und als Trainer mache ich das natürlich. Aber im Internet muss ich leider auch manchmal ein wenig pauschalisieren, weil ich nicht weiß, wer alles meinen Blog liest. Meine Zielgruppe sind keine Spitzensportler. Wenn du das schon für falsch und unseriös hältst, dann rate ich dir niemals auf YouTube, TikTok und Instagram zu schauen 😉

    Ich finde es aber echt gut, dass du das Thema differenziert und kritisch betrachtest und wünsche weiterhin viel Spaß beim intensiven Training 🙂

    Viele Grüße

    Meik

  • Moin Meik!

    Dann können wir doch festhalten, dass wir uns im Grundsatz einig sind und nur deine pauschale Aussage etwas unglücklich ist. Vielleicht wäre der Titel „Warum du als Freizeitsportler auf HIIT verzichten solltest“ o.Ä. etwas präziser gewesen 🙂

    Definiert man Freizeitsportler so wie du (wenn ich es richtig verstanden haben), so haben diese eine geringe sportliche Leistungsfähigkeit. Ihnen ist daher – wie du richtigerweise sagst – HIIT nicht zu empfehlen.

    Die wissenschaftliche Definition (wobei es hier sicherlich auch verschiedene Meinungen und Definitionen gibt) von Freizeitsport bedeutet extrem vereinfacht gesagt die Abwesenheit eines Wettbewerbs. Dies kann ja aber auch für sehr leistungsfähige Menschen gelten. Hier müsste man also differenzieren und individuell analysieren.

    Ich denke, so können wir beide doch sehr zufrieden aus dieser angeregten Diskussion gehen.
    Genauso sollte ein reger Austausch laufen – was leider häufig nicht der Fall ist…

    Gruß
    Yannick

  • Werter Meik !
    Als (Freizeit)Kraftsportler bin ich beim Stöbern über deinen Artikel gestoßen. Respekt, das mal jemand die Wahrheit über diese sinnfreien Studien und Fitnesstrends schreibt. Abertausende von blutigen Anfängern quälen sich durch Trainingsanleitungen und Apps, eifern Influencern und Fitnessyoutubern nach um nach Wochen und Monaten desillusioniert mit der Chipstüte auf der Couch zu sitzen.
    Kaum einer sagt ihnen, das diese Workouts erst nach Jahren des Aufbaus und mit viel Disziplin und Ernährungsumstellung sinnvoll werden. Und kaum einer will sich auf Dauer diesem Stress unterwerfen. Wir reden hier von Freizeitsportlern im Wortsinn, die in ihrer Freizeit Sport machen wollen und nicht ihr Leben dem Sport anpassen. Alles andere ist Wettkampf, wenn nicht gegen andere, sondern auch gegen sich selbst.
    Und diejenigen, die mehr wollen, holen sich ihre Infos nicht im Netz sondern bei ihren Trainern.
    Wenige Fitness Youtuber sind so ehrlich wie z.B. Simon Teichmann, der mal ein Video veröffentlicht hat „ Warum du nie so aussehen wirst wie ich ”.
    Und auch ein Mark Lauren lebt von seinen Büchern und Programmen.
    HIIT war bei mir nach zwei Wochen raus, lieber langsame Progression bei Wiederholungen und Gewichten und vor allem den Spaß nicht vergessen. Schließlich geht es um unsere Freizeit.
    Abschließend zu den aberhunderten Studien, die durchs Netz geistern. „Traue keiner Statistik die du nicht selbst gefälscht hast”….

    Gruß Thomas

  • Hallo Thomas,
    vielen Dank für deinen Kommentar. Es stimmt was du sagst. Ich habe wöchentlich Kontakt zu Leuten, die als Freizeitsportler so trainieren, als seien sie Profisportler. Einfach nur, weil es ihnen von der Fitnessindustrie so gezeigt oder im Netz vorgelebt wird. Meistens endet das in Frustration und Stress – manchmal sogar in Verletzungen und gesundheitlichen Problemen.

  • Zur leistungsteigerung sollte Intervalltraining bzw. HIIT gezielt und dosiert eingesetzt werden. Es wird unbedingt eine solide Trainingsbasis bzw. Erfahrung benötigt, bevor derartige Trainingsmethoden sinnvoll sind.

    Wie du schreibst, bedeutet Tabatatraining, HIIT und Intervalltraining NICHT das gleiche. Tabatatraining meint wirklich Training am absoluten Limit, sonst ist es nicht effektiv, und das geht ohne viel Grundlagentraining im Vorfeld gar nicht und ist ohne viel Traingserfahrung auch nicht sinnvoll und effektiv. Intervalltraing arbeitet mit verschieden Intensitäten, die über verschiedene Zeiträume. durchgeführt werden. Aber auch hier braucht man vorher eine Grundlage.

  • Hallo Inga,
    danke für deinen Kommentar! Da bin ich ganz bei dir: Intervalltraining kann in wenigen Fällen sinnvoll sein. Aber eine ganze Zeit lang wurde „HIIT“ ja fast schon wie ein Wundermittel behandelt – egal, ob es wirklich korrekt ausgeführt wurde oder nicht. Da konnte schnell das Gefühl entstehen, dass HIIT grundsätzlich zum Fitnesstraining dazugehören sollte.

    Zum Glück hat sich das inzwischen wieder ein bisschen relativiert. Momentan ist ja eher „Zone-2“-Training der große Hype. So laufen die Fitnesstrends eben – mal in die eine Richtung, mal in die andere.

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