Sagt dir 16:8 oder 5:2 etwas? Wer sich auch nur im Entferntesten für Ernährung interessiert, weiß genau wovon ich rede: Intervallfasten.
Der Trend ist allgegenwärtig. Nicht nur im Internet, sondern auch in Bestseller-Büchern, Zeitungen und im Fernsehen begegnet uns Intervallfasten ständig. Es eroberte quasi den gesamten Diätmarkt.
Doch eigentlich ist es ja gar keine richtige Diät. Und das macht den Fastentrend wahrscheinlich so erfolgreich: Du darfst weiterhin deine Lieblingsspeisen essen, ohne dass du Kalorien, Punkte oder Kohlenhydrate zählen musst. Du sollst einfach nur auf die Uhr schauen.
Denn bei dem 16:8-Fasten verzichtest du 16 Stunden auf Nahrung, und nur in den restlichen 8 Stunden ist es dir „erlaubt“ etwas zu essen. Bei 5:2 ernährst du dich an 5 Tagen in der Woche ganz normal, aber an zwei Tagen mit bis zu 800 kcal extrem unterkalorisch.
Angeblich bringt Intervallfasten, neben dem gewünschten Gewichtsverlust, eine Vielzahl von weiteren Vorteilen mit sich: Es stärkt das Immunsystem, wirkt entzündungshemmend, verbessert den Blutzucker und soll sogar das Leben verlängern.
Ist der Hype um das Intervallfasten gerechtfertigt? Ist Intervallfasten sinnvoll und solltest du es auch mal ausprobieren?
Inhalt
- 1 Intervallfasten liefert vielversprechende Ergebnisse – bei Ratten
- 2 Länger leben durch Autophagie?
- 3 Psychologie schlägt Biologie: Warum Fasten wirklich funktioniert
- 4 Vorsicht vor den Tipps der Intervallfasten-Gurus
- 5 Stoische Leitplanken: 5 Tipps für dein Intervallfasten
- 6 Intervallfasten light: Die stoische Mitte
- 7 Fazit: Intervallfasten – Werkzeug statt Wundermittel
Intervallfasten liefert vielversprechende Ergebnisse – bei Ratten

Wenn du dich mit den harten wissenschaftlichen Fakten des Intervallfastens auseinandersetzt, erkennst du schnell: All diese Versprechen – vom massiven Gewichtsverlust bis hin zur maximalen Lebenszeit – werden wirklich eingelöst… wenn du eine Ratte bist.
Studien am Menschen sind deutlich seltener und weniger euphorisch. Eine Metastudie analysierte 27 Humanstudien und kam zu dem Schluss, dass Intervallfasten zwar vielversprechend für die Behandlung von Übergewicht sein könnte, die Studien bisher aber zu klein und zu kurz waren, um fundierte Empfehlungen auszusprechen.
Eine weitere Metastudie zeigte zwar Erfolge beim Abnehmen, stellte aber klar: Der Gewichtsverlust war mit jeder anderen kalorienreduzierten Diät vergleichbar. Wenn es dir nur um das Abnehmen geht, ist es also egal, ob du über den Tag verteilt weniger isst oder feste Fastenzeiten einhältst.
Auch die Autoren dieser zweiten Metastudie weisen darauf hin, dass die Interpretation der Daten mit Vorsicht zu genießen ist. Es gibt einfach noch zu wenig langfristige Studien an Menschen, um wirklich grundlegende Aussagen machen zu können.
Wie so oft lässt auch hier die wissenschaftliche Lage eigentlich keine konkrekten Ernährungsempfehlungen zu. Viele Versprechen des Intervallfastens stehen auf einem wackeligen Datenfundament.
Lässt Intervallfasten das falsche Fett schmelzen?
Wenn du dennoch an die Aussagekraft von Nagetier-Studien für den Menschen glaubst, wirst du ebenfalls von der Wissenschaft enttäuscht. So fand eine Studie aus Sydney heraus, dass sich bei intervallfastenden Mäusen das gefährliche viszerale Bauchfett hartnäckig hält, während das Unterhautfett weniger wurde (hier ein Artikel dazu).
Leider ist aber genau das viszerale Fett, das innere Bauchfett, so tückisch. Denn es ist hormonaktiv und entzündungsfördernd. Und somit für eine Vielzahl von Krankheiten mitverantwortlich. Die Mäuse wurden also sichtbar schlanker – aber mitnichten gesünder.
Die stoische Praxis beginnt damit, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist, nicht wie wir sie uns wünschen. Wer auf eine magische Abkürzung durch Intervallfasten hofft, verkennt die Realität: Am Ende zählt die biologische Bilanz. Akzeptiere die nüchternen Fakten – so sparst du dir die Enttäuschung über ausbleibende Wunder und kannst dich auf das konzentrieren, was wirklich funktioniert: Beständigkeit.
Länger leben durch Autophagie?

Dabei soll doch gerade das Intervallfasten ein Jungbrunnen sein. Das Zauberwort diesbezüglich heißt „Autophagie“. Darunter versteht man, knapp formuliert, einen Reinigungs- und Erneuerungsprozess der Zellen.
Autophagie soll (theoretisch zumindest) dazu beitragen, dass sich deine Lebensspanne verlängert. Beweise dafür gibt es, wie gesagt, nur für Nagetiere. Ob dieses Prinzip auch auf den Menschen übertragbar ist, bleibt weiterhin vollkommen unklar. Sicherheit darüber werden wir wahrscheinlich nie bekommen.
Den Begriff Autophagie hörte der Laie erstmals 2016, als der Nobelpreis an Yoshinori Ohsumi verliehen wurde. Der Japaner konnte nachweisen, welche Prozesse genau bei der Autophagie ablaufen, welche Gene daran beteiligt sind und stellte heraus wie wichtig der Prozess für die Gesundheit des Menschen ist.
Dabei ist das Prinzip der Autophagie in der Natur nichts ungewöhnliches. Es ist quasi das Reinigungs- und Wiederverwertungsprogramm der Zellen. Anders gesagt: Der Körper reguliert sich – wie so oft – einfach selbst.
Autophagie ist keine Magie
Wenn du die Intervallfasten-Bestseller liest, könntest du den Eindruck gewinnen, dass die Autophagie magisch ist. Der heilige Gral des gesunden Lebens. Ein hoher Anspruch, der nicht eingelöst werden kann.
Autophagie hat auch keinen Ein- und Ausschalter, wie viele anscheinend glauben. Denn laut Google ist eine der am häufigsten gestellten Fragen bezüglich des Intervallfastens: „Wie lange muss ich für Autophagie fasten?“
Fakt ist: Bei gesunden Menschen läuft die Autophagie quasi immer ab. Nur in extremen, zellulären Stresssituationen, wie es zum Beispiel bei langem Nahrungsverzicht der Fall ist, kurbelt der Körper die Autophagie etwas mehr an, um sich wieder selbst zu regulieren.
Wenn du gesund bist, wirst du aber nicht durch „mehr Autophagie“ plötzlich „noch gesünder“. So etwas gibt es nicht. Problematisch wird es erst dann, wenn dieser biologische Prozess gestört ist. Das ist bei älteren Menschen manchmal der Fall. So wie auch andere biologische Prozesse im Alter nachlassen. Ob dann Fasten jedoch wirklich hilft, ist nicht vollständig geklärt.
Autophagie: Ein biologischer Prozess unter vielen
Mich erinnert die Autophagie-Euphorie ein wenig an die übertriebene Darstellung der Ketose von Anhängern der Low-Carb- und ketogenen Diät. Auch hier wird ein biologischer Prozess meist verkürzt dargestellt und als Allheilmittel beworben.
Wenn man nur eines in der Forschung definitiv weiß, dann ist es dies: So komplexe Zusammenhänge wie Gesundheit oder die Regulation des Körperfettes im Menschen lassen sich nicht auf vereinzelte Prozesse herunterbrechen. Und es ist unwahrscheinlich, dass wir jemals alle Puzzleteile dieses Rätsels zusammenbekommen.
Psychologie schlägt Biologie: Warum Fasten wirklich funktioniert
Bei der ganzen Aufregung um die vermeintlich positiven Wunderwirkungen des Intervallfastens sollten wir eines nicht aus dem Auge verlieren: Es gibt eine beträchtliche Anzahl von Menschen, bei denen funktioniert Intervallfasten tatsächlich, wenn es alleine darum geht etwas Gewicht abzunehmen.
Dabei ist der eigentliche Effekt erheblich trivialer, als komplizierte biologische Prozesse: Für viele ist es weitaus einfacher eine Mahlzeit ausfallen zu lassen, als mehrmals am Tag ihre Portionsgröße einzuschränken, Kalorien zu zählen, oder weniger Kohlenhydrate zu essen.
Im Gegensatz zu vielen anderen Diätansätzen ist das Intervallfasten, was die Nahrungsauswahl angeht, im Alltag nicht besonders restriktiv und hat somit eine größere Chance langfristig durchgehalten zu werden. Ein Abendessen mit Freunden ist noch immer möglich, ohne das du als Spielverderber dastehst.
Doch dieser große Vorteil gereicht dem Intervallfasten leider auch zum Nachteil.
Die Schattenseite der Einfachheit
Wenn ich mal einen verstohlenen Blick in die Einkaufswägen meiner Mitmenschen werfe, dann entdecke ich oftmals Fertigprodukte, industriell für unsere Geschmacksnerven entwickelte Lebensmittel und andere Dinge, die gemeinhin eher als wenig nahrhaft gelten.
Es gibt halt auch noch sehr viele Menschen, die eben keine Fitnessblogs lesen (unglaublich, ich weiß!) und ein, sagen wir, eher ambivalentes Verhältnis zu ihrer Ernährung und Gesundheit haben. Die aber trotzdem ein paar Pfunde abnehmen wollen.
Und für Menschen, die durch eine schlechte Nahrungsauswahl sowieso schon Probleme haben ihren Nährstoffhaushalt zu decken, wird es nicht besser, wenn sie auf einmal Intervallfasten machen und eine Mahlzeit am Tag weniger essen. Oder gleich zwei Tage in der Woche ihre Kalorienzufuhr drastisch einschränken.
Intervallfasten fördert kein Bewusstsein über die Nahrungsmittelauswahl. Du musst dich eigentlich gar nicht mit deiner Ernährung auseinandersetzen und kannst trotzdem Intervallfasten. Du sollst lediglich auf die Uhrzeit achten. So wirst du womöglich schlanker, aber nicht unbedingt gesünder (warum Schlankheit und Gesundheit nicht unbedingt zusammenhängen müssen, erfährst du hier).
Selbstbeherrschung bedeutet nicht, blind einer Uhrzeit zu folgen, während die Qualität deiner Ernährung leidet. Wer fastet, um danach wahllos Junkfood zu konsumieren, praktiziert keine Mäßigung, sondern lediglich einen Aufschub der Maßlosigkeit. Nutze das Fastenfenster als Test für deine Aufmerksamkeit: Wähle deine Nahrung so bewusst, wie du deine Fastenzeit wählst.
Vorsicht vor den Tipps der Intervallfasten-Gurus

Wenn du dich über Intervallfasten informierst, bekommst du meist einen ganzen Werkzeugkasten an Tipps mitgeliefert. Leider ist vieles davon absoluter Blödsinn, der eher dem Marketing der Gurus dient als deiner Gesundheit. Hier sind drei prominente Beispiele für pseudowissenschaftliche Sackgassen.
Guru-Blödsinn I: Kaffee als Hunger-Killer
Oftmals wird von den 16:8-Anhängern empfohlen morgens ordentlich Kaffee zu trinken, falls du die anfänglichen Hungerattacken nicht aushältst, weil dein Magen sein Frühstück einfordert.
Wenn du Hunger bekommst, unterdrückt Koffein das Hungergefühl, das stimmt. So wie andere Nervengifte auch. Nikotin zum Beispiel.
Also könntest du auch schwarzen Kaffee und eine Zigarette „frühstücken“, wenn du fastest. The breakfast of a champion.
Aber mal ernsthaft: So ganz unbedenklich, wie oftmals dargestellt, ist Koffein auch nicht. Der Körper muss das Nervengift nämlich irgendwie abbauen. Und das stresst ihn natürlich. So erhöht Koffein – insbesondere auf nüchternen Magen – deinen Cortisolspiegel. Der Stress wird aber von dem Kaffee-High verschleiert. Das heißt, du merkst ihn erst einmal gar nicht.
Aber nach jedem High kommt ein Low. Sobald das Nervengift abgebaut ist, kommt der Schlag mit dem Hammer. Viele merken diesen Schlag gar nicht, weil sie dann direkt den nächsten Kaffee nachkippen – und somit zu einem dauerhaft erhöhten Cortisolspiegel beitragen.
Wer aber als eifriger Konsument mal auf „cold turkey“ geht und den Kaffee ein paar Tage einfach weglässt, wird den Hammer zu spüren bekommen. Probiere es aus, wenn du mutig bist.
Guru-Blödsinn II: Die Insulin-Hysterie
Auch in dem Buch „The New Fast Diet“ des „Erfinders“ der 5:2-Diät Michael Mosley lese ich einige Dinge, die mich skeptisch machen.
Zum einen spricht er immer wieder von der eigentlich längst widerlegten, unsinnigen Insulin-These, wonach Kohlenhydrate zu einem so hohen „Insulin-Schock“ führen, dass sich deine Fettzellen vergrößern und entzünden.
Fakt ist: Es sind nicht die Kohlenhydrate, die deine Fettzellen vergrößern, sondern zu wenig Bewegung bei zu vielen Kalorien. Egal woher die Kalorien stammen.
Das angeblich „böse“ Insulin ist im Gegenteil noch ziemlich hilfreich. Lagert es doch die Kohlenhydrate zuerst in deine Leber und in die Muskelzellen ein, bevor es vom Körper in Fett umgewandelt wird. Kohlenhydrate sind eindeutig besser als ihr Ruf.
Mosley ist ein versteckter Low-Carb-Fan im Gewand eines Intervallfastengurus. Das wird spätestens dann deutlich, wenn er (neben der Autophagie natürlich) die Ketose preist und Robert Lustig zitiert.
Robert Lustig ist seinerseits auch ein Ernährungsguru, der eine Karriere daraus gemacht hat, uns zu erzählen wie schlimm doch Zucker ist. Viele ernstzunehmende Wissenschaftler behaupten, dass Lustig gerne cherry-picking mit Studien betreibt. Also Studien wählt, die seine These unterstützen und andere Studien geflissentlich ignoriert. Wissenschaftliche Redlichkeit geht anders.
Guru-Blödsinn III: Die Protein-Mast im Fastenfenster
Die 5:2-Rezepte in Mosleys Büchern sind zudem eine einzige Proteinmast. Anscheinend hängt auch er der weiterverbreiteten Auffassung an, das Protein immer gut sei. Und mehr sei besser. Dem ist natürlich nicht so (in diesem Artikel erfährst du warum).
Wenn du nur ein Budget von 600 bis 800 Kilokalorien an Fastentagen hast und es quasi ausschließlich für Protein „verknallst“, bleibt nicht mehr viel für andere nahrhafte Lebensmittel übrig, die mehr Vitamine und Mineralien enthalten. Vor allem, weil seine Rezepte meist tierisches Protein bevorzugen, das sowieso notorisch wenig Nährstoffe hat (wenn du dich nicht gerade von Innereien ernähren möchtest).
Zudem übersieht dieser Ansatz einen biologischen Widerspruch: Fehlende Aminosäuren (die Bausteine von Protein) sind ein Hauptauslöser für die so hochgelobte Autophagie. Wer sich also mit Protein vollstopft, während er eigentlich die Zellreinigung aktivieren will, bremst sich selbst aus. Man kann nicht alles gleichzeitig haben: Den Körper unter extremen zellulären Stress setzen und gleichzeitig maximale Muskelmasse bewahren. Biologische Prozesse kommen selten allein.
Wahre Selbstbeherrschung beginnt beim Denken. Ein Stoiker lässt sich nicht von komplizierten Fachbegriffen oder dem Charisma selbsternannter Gurus blenden. Oft wird Komplexität auf eine einzige Stellschraube (wie Insulin oder Protein) reduziert, um ein Produkt zu verkaufen. Bleibe skeptisch gegenüber Heilsversprechen und vertraue auf die nüchterne Beobachtung der Naturgesetze.
Stoische Leitplanken: 5 Tipps für dein Intervallfasten
Wenn du Intervallfasten ausprobieren möchtest, solltest du es nicht als starre Diät, sondern als flexibles Werkzeug betrachten. Hier sind fünf Strategien, um nicht in die üblichen Fallen zu tappen.
Tipp 1: Faste aus Überzeugung, nicht aus Gruppenzwang
Intervallfasten ist kein moralisches Gebot. Für einige funktioniert es wunderbar, für andere ist es purer Stress. Nur weil Promis oder Bekannte darauf schwören, muss es nicht dein Weg sein. Probiere es mit Geduld aus, aber habe die Größe, es abzubrechen, wenn es deine Lebensqualität dauerhaft senkt. Es gibt viele Wege zur Gesundheit – Fasten ist nur einer davon. Weiter unten schlage ich dir eine Alternative vor. Vielleicht ist die eher etwas für dich.
Tipp 2: Erwarte keine großen Wunder
Hör auf, auf magische Effekte wie die „totale Zellreinigung“ zu hoffen. Die meisten gesundheitlichen Vorteile des Fastens entstehen schlicht dadurch, dass du abnimmst, nicht zwingend durch das Wie. Der wahre Clou ist oft psychologisch: Viele fühlen sich befreit, weil sie sich nicht mehr den ganzen Tag mit Essen beschäftigen müssen. Diese mentale Entlastung ist wertvoller als jede Rattenstudie.
Tipp 3: Hüte dich vor der Quantifizierungsfalle
Die Industrie liebt Zahlen wie 16:8 oder 5:2. Doch dein Körper hat keinen digitalen Timer. Ob du 16 oder 14 Stunden fastest, macht biologisch kaum einen Unterschied. Wenn du zum Sklaven deiner Uhr wirst, tauschst du nur eine Abhängigkeit gegen eine andere ein. Sei flexibel. Wenn das Leben dazwischenkommt, brich das Fenster bewusst auf – so bewahrst du dir deine Souveränität gegenüber starren Regeln.
Tipp 4: Kein Freifahrtschein für Maßlosigkeit
Intervallfasten ist keine Entschuldigung dafür, im Essensfenster wahllos Junkfood in sich hineinzuschaufeln. Wer glaubt, durch die Pause danach alles ungeschehen zu machen, betrügt sich selbst. Maßlosigkeit bleibt Maßlosigkeit, egal in welchem Zeitfenster sie stattfindet. Nutze die Zeitersparnis des Fastens lieber, um deine Mahlzeiten hochwertiger zu gestalten.
Tipp 5: Nährstoffdichte ist Pflicht
Weniger Mahlzeiten bedeuten weniger Gelegenheiten, Vitamine und Mineralien aufzunehmen. Wenn du fastest, steigt die Verantwortung für jede einzelne Mahlzeit. Achte besonders auf kritische Nährstoffe wie Omega-3-Fettsäuren, B-Vitamine und Eisen. Wer fastet, muss sich bewusster ernähren, nicht nachlässiger.
Lass nicht zu, dass eine Methode wie das Intervallfasten zu einem neuen Dogma wird, das dich stresst. Wahre Souveränität bedeutet, ein Werkzeug zu nutzen, solange es dir dient – und es anzupassen, wenn es dich einengt. Die Zahl auf der Uhr ist nebensächlich; entscheidend ist dein bewusster Umgang mit dir selbst und deinen Bedürfnissen.
Intervallfasten light: Die stoische Mitte

Für alle, die nicht bereit sind, ihr Frühstück aufzugeben (ich gehöre übrigens dazu), gibt es einen sanfteren Weg. Nennen wir ihn „Intervallfasten light“.
Diese Methode orientiert sich am 16:8-Modell, ist aber weniger extrem und weitaus alltagstauglicher. Der Körper gewöhnt sich leichter an den Rhythmus, und du wirst deutlich weniger Hunger verspüren als bei der klassischen Version. Es ist ein sanfterer Umgang mit dir selbst, ohne die Disziplin zu opfern.
So funktioniert „Intervallfasten light“
Für die leichte Version des Intervallfastens machst du folgendes:
- Du isst drei ausgewogene Mahlzeiten: Frühstück, Mittagessen, Abendessen.
- Dazwischen gönnst du dem Verdauungstrakt eine Pause. Also verzichtest du auf Snacks.
- Alles ist erlaubt, aber Qualität geht vor Quantität.
- Du verschiebst dein Frühstück ein bis zwei Stunden nach hinten, oder ziehst dein Abendessen vor. Je nachdem, wie du es magst, oder wie es passt. Bleibe aber, bis auf Ausnahmen, bei dem Rhythmus. Das Essensfenster sollte ungefähr 12 Stunden betragen. Die anderen 12 Stunden wird gefastet.
Und das war’s schon.
Warum das funktioniert: Die Chronobiologie
Wie ich oben beschrieben habe, gibt es für die meisten biologischen Prozesse keinen einfachen Ein- und Ausschalter. Ein größeres Zeitfenster heißt daher nicht, dass direkt alle Vorteile des normalen Intervallfastens futsch sind.
Zudem „fastest“ du noch zusätzlich den Tag über, wenn du die Essenspausen zwischen Frühstück, Mittagessen und Abendessen einhältst.
Schützenhilfe für diese Version des sanften Fastens bekomme ich von einer ungewöhnlichen Stelle. In der Chronobiologie, der Wissenschaft der biologischen Rhythmen, weiß man schon länger, dass die Menschen auf einen 3-Mahlzeiten-Rhythmus getrimmt sind.
Das hatte die Chronobiologie schon in ihren Anfängen bei den berühmten Andechser-Bunkerexperimenten herausgefunden. Dort mussten Studenten für einige Zeit in einem alten Wehrmachtsbunker, der wie eine Wohnung eingerichtet war, übernachten. Ohne jeglichen äußeren Zeitgeber und ohne Sonnenlicht wußten sie nicht wie spät es ist, oder wie viel Zeit vergangen war.
Trotzdem schliefen sie 8 Stunden am Stück und ihre Ernährung pendelte sich auf ein 3-Mahlzeiten in 24 Stunden ein. Alleine ihr Körper gab es ihnen vor.
Dies zeigt, dass unser Hungerrhythmus eng mit anderen zirkadianen Rhythmen verbunden ist. Und diese wiederum mit unseren Hormonen, wie beispielsweise das Hormon Leptin, das unser Hunger- und Sättigungsgefühl regelt.
Wenn du mehr zur chronobiologischen Seite des „Intervallfastens light“ erfahren willst, kann ich dir das Buch „Der Zirkadian-Code“ von Satchin Panda empfehlen.
Fazit: Intervallfasten – Werkzeug statt Wundermittel
Ist Intervallfasten also sinnvoll? Die Antwort ist weitaus weniger spektakulär, als es die Fitness-Industrie vermuten lässt: Intervallfasten ist kein biologisches Wunderwerk, sondern lediglich ein psychologischer Trick zur Kalorienkontrolle.
Wer auf eine magische Stoffwechsel-Abkürzung hofft, wird enttäuscht. Die wissenschaftliche Datenlage zeigt unmissverständlich, dass der Gewichtsverlust beim Fasten schlicht das Ergebnis einer reduzierten Energieaufnahme ist. Es gibt keinen Beleg dafür, dass 16 Stunden Verzicht die Gesetze der Thermodynamik außer Kraft setzen.
Die nüchterne Zusammenfassung:
- Kein biologischer Vorsprung: Wenn die Kalorienbilanz am Ende des Tages identisch ist, liefert Intervallfasten gegenüber herkömmlichen Diäten keinen signifikanten Vorteil beim Fettverlust.
- Fragwürdige Versprechen: Viele der beworbenen Effekte, wie die maximale Autophagie oder extreme Lebensverlängerung, sind bisher primär im Labor an Nagetieren nachgewiesen. Eine direkte Übertragung auf den menschlichen Alltag ist spekulativ.
- Die Gefahr der Vernachlässigung: Wer glaubt, durch ein zeitliches Fenster die Qualität seiner Nahrung ignorieren zu können, setzt seine langfristige Gesundheit aufs Spiel. Fasten heilt keine schlechte Ernährung.
Wenn du trotzdem das Intervallfasten ausprobieren möchtst, sind hier meine Empfehlungen für dich:
- Bleib unbeeindruckt: Lass dich nicht von Autophagie-Versprechen blenden, die bisher primär für Nagetiere belegt sind.
- Wähle den geringsten Widerstand: Wenn dich 16:8 stresst, ist „Intervallfasten light“ (12 Stunden Fasten, keine Snacks) die klügere, stoische Mitte. Sie ist nachhaltiger und schützt dich vor der Quantifizierungsfalle.
- Fokus auf Qualität: Verwechsle das Fastenfenster nicht mit einem Freifahrtschein für Junkfood. Dein Körper ist dein einziges Werkzeug – behandle ihn entsprechend.
Am Ende ist die beste Methode diejenige, die du dauerhaft durchhalten kannst, ohne deine Lebensqualität zu opfern. Wahre Souveränität bedeutet, die Kontrolle über dein Essverhalten zurückzugewinnen – egal, ob mit oder ohne Stoppuhr.
Wenn du Erfahrungen mit Intervallfasten gemacht hast, oder „Intervallfasten light“ ausprobiert hast, dann teile mir doch deine Erfahrungen in den Kommentaren mit.
Meik ist zertifizierter Fitness- und Personaltrainer sowie Ernährungsberater und blickt auf über 30 Jahre Trainingserfahrung zurück. Als Philosoph nutzt er die Lehren der Stoa, um Menschen zu einem starken Körper und einem ruhigen Geist zu verhelfen – ohne Dogmen und Zwang. Mehr über den stoischen Weg erfahren.
